Juli 2011 Die Geschichte zum Taubenschlag
Text und Foto: Helmut Berthold
Geschichtlich gesehen, geht die Haltung und die Zucht von Haustauben bereits in die altägyptische Zeit zurück und wurde durch die Römer auch in Mitteleuropa verbreitet. Einst eine vergnügliche Angelegenheit des Adels und der Klöster, die der Genehmigung durch den König bedurfte, wurde das Taubenhaltungs-Privileg erst mit der Französischen Revolution beseitigt.
Und so konnte sich wie viele andere vor und nach ihm, auch der Argeter Wagnermeister Michael Schmölz auf seinem Anwesen an der heutigen Holzkirchener Straße diesem „Hobby“ hingeben.
Er baute sich in seiner Werkstatt dafür ein schönes und aufwändig mit vielen Details gefertigtes Taubenhaus, das er dann im weitläufigen Obstgarten seines Anwesens aufgestellt hat. Es galt schon damals ob seiner künstlerischen Gestaltung und farbenprächtiger Bemalung als echter Blickfang im ganzen Dorf, worauf der „Böham“ natürlich mit Recht besonders stolz war.
Aber bevor es so weit war, trübte zunächst ein Missgeschick die Freude am gelungenen Werk. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts beim „Böham“ als junger Wagnergeselle tätig, hat Lorenz Lederwascher dazu eine lustige Anekdote überliefert:

Nach dem die Farben ausreichend getrocknet, das Erdloch im Garten gegraben und alles zum Aufstellen vorbereitet war, musste man zur Überraschung feststellen, dass der neue Taubenkobel in seinen Ausmaßen größer ausgefallen war als die lichte Weite der Werkstatt-Türe. Damit waren der Transport nach Außen und damit die ganze Aktion erstmal beendet. Es blieb nur die Möglichkeit den gesamten Türstock herauszureißen, um den Weg für den Taubenkobel frei zu bekommen, erinnerte sich der 1976 verstorbenen Lorenz Lederwascher an damals zurück.
Das Taubenhaus hat bis in die 80er Jahre die Zeit im „Böham-Garten“ überstanden. Von dort wurde es in diesen Jahren aber dann wegen zunehmenden Verfalls entfernt und zunächst in einem Schuppen eingelagert. Beim Ausräumen der Remise entdeckte die Familie Gigl später den doch noch nicht ganz vergessenen aber bereits vom Ruin bedrohten Kobel und hat ihn sodann dem Heimatmuseum überlassen.
Nach eingehender Begutachtung und mit der darauf folgenden liebevollen Restaurierung durch Mitglieder des Fördervereins, konnte das schmucke Taubenhaus der Nachwelt doch noch erhalten und im Jahre 2002 an seinem jetzigen Platz zwischen Troadkasten und alten Pfarrhof aufgestellt werden. Es ist zwischenzeitlich, wie vieles andere auf dem Museumsgelände, zu einem echten und oft fotografierten Blickfang und einem Relikt lebendiger Dorfgeschichte geworden, wie sie der Heimatverein seit über zwanzig Jahren mit seiner Arbeit darstellen will.
