Heimatmuseum

der Gemeinde Sauerlach in Arget

Vom Mehl zum Brot, Teil 1

Bericht von Hubert Klingsbögl



Das Heimatmuseum beherbergt im oberen Stock des Troadkastens eine Orts-historisch hoch interessante Sammlung von Maschinen und Vorrichtungen zum Brot- und Semmelbacken. Viele Gegenstände stammen aus der Sauerlacher Dorfbäckerei Reiser. Roman Reiser stellte sie dankenswerterweise dem Museum zur Ver­fügung bevor er in den Ruhestand ging. Wir hatten die Gelegenheit, mit Roman Reiser über die Dorfbäckerei, das Bäckerhandwerk und die Gegenstände zu sprechen, die er selbst tagein tagaus benutzte.

Die Bäckerei in der Von Aychsteter Str. geht auf das Jahr 1875 zurück. Der nachfolgende Teil zur Historie der Bäckerei in der Von Aychsteter Str. ist ein Auszug aus der Chronik, die Roman Reiser zur 1200 Jahr-Feier von Sauerlach verfasst hatte.

Chronik der Bäckerei

Gottfried Edenhofer (1842 – 1890) erlernte in der Klosterbäckerei Metten bei Deggendorf (Niederbayern) das Bäckerhandwerk. Auf der Walz (Gesellenwanderjahre) führte ihn der Weg Donau-abwärts nach Wien und über Venedig nach Sauerlach. Er verdingte sich 1862 als Zwanzig-jähriger bei der Lidl’schen Gutsver­waltung, um für die Posthalterei Brot zu backen. Der Brotbedarf muss beachtlich gewesen sein. Brot war das Hauptgericht der Fuhrleute, Reisenden und Hausgesinde (Knechte und Mägde). Zeitweise waren bis zu 70 Pferde in den Stallungen.

Brot wurde nur mit Sauerteig gebacken. Die langen Teigruhezeiten nutzte Edenhofer und schnitzte zwischenzeitlich Fronleichnamsaltäre (Laubsägearbeiten). Zwei davon sind noch erhalten.

Bei einem Wolkenbruch versuchte Edenhofer verzweifelt die Mehlsäcke ins Trockene zu bringen und bat den Lidlschen Sohn um Hilfe. Dieser jedoch sprang wie ein „Sparifankerl“ von einem Fuß auf den anderen und lästere „Beck vereck mit deine tausend Säck“. Als der Backofen schadhaft wurde, die Brotqualität darunter litt, bat Edenhofer: „Herr wir brauchen einen neuen Backofen“. Lidl erwiderte: „Du kannst schon einen Ofen bauen, aber zahlen musst ihn selber“. Nach 12 Jahren muss Edenhofer seinen Dienstherren zur Genüge gekannt haben und sagte sich: „Soll ich einen Backofen bauen und auch noch selber bezahlen, dann nur im eigenen Haus“.

1875 konnte Edenhofer das Rankes-Anwesen Haus Nr. 46 (heute Von Aychsteter Str. 2) erwerben und baute hierin seinen ersten Backofen. Mit seiner Frau Juliana (geb. Buchmeyer 1847 – 1895) wurde eine Bäckerei eröffnet. Der Verkauf muss dürftig gewesen sein. Jeder Bauernhof hatte noch seinen Backofen und es wurde selber Brot gebacken. Auch ließ Lidl auf seinem Postanger eine Bäckerei von Peter Wiedenbauer (1868 – 1946) errichten, mit dem Vorrecht, nur dieser dürfe Sauerlachs Gaststätten beliefern. Und so wird berichtet, dass Edenhofers Mutter mit dem Schubkarren Backwaren bis Altkirchen fahren musste.

1888 entschloss sich Edenhofer zum Neubau. Das Rankeshaus war baufällig geworden. Die schönen filigranen Balkonbretter hat er selber ausgesägt. Bedenkt man, alles in Handarbeit. Es gab noch keine Elektrizität. 1890 fiel Edenhofer beim Hausbau vom Dach und ist seinen Verletzungen erlegen.

In der Bäckerei hat bereits ein Bäckermeistersohn aus Wolfratshausen mitgearbeitet. Roman Reiser (1867 – 1946) führte den Betrieb weiter. 1895 baute er um und heiratete später Edenhofers Tochter Juliana (1876 – 1920)

Um 1900 hatte Reiser bereits ein Pferdefuhrwerk und hat Backwaren nach Faistenhaar gebracht. Aus Wolfratshausen kam auch Romans Vater nach, Franz Xaver Reiser (1842 – 1907) und half beim Brotausliefern mit.

Die Kundin Anna Lechner war damals 5 Jahre alt und konnte sich noch genau erinnern.

„Wir Kinder waren immer sehr erfreut – jetzt kommt der Reiser Beck“. Darum war ich so traurig als im März 1907 vor unserem Haus in Hofolding der Beck mit seinem Pferdeschlitten verunglückte. Männer trugen ihn in unser Haus und legten ihn aufs Sofa. Es war so ein braver Mann“

1936 übernahm Sohn Franz (1901 – 1978) mit Ehefrau Theresia den Handwerksbetrieb. Vater Roman Reiser half mit und überwachte den Arbeitsablauf, bis er 1946 mit dem Fahrrad verunglückte.

Seit 1972 buk nun Sohn Roman Reiser nach alter Tradition und viel Handarbeit Semmeln, Feingebäck und das Sauerteigbrot, das Frau Marianne gerne im Laden verkaufte.

Die Neueröffnung

2001 wurde die Bäckerei vorübergehend geschlossen, da Roman Reiser in den verdienten Ruhestand ging. Nach umfangreicher Renovierung und Anpassung an die heutigen Erfordernisse (z.B. gab es in der alten Bäckerei keine Heizung) wurde die Bäckerei nach ca. zwei Jahren wieder eröffnet. Die Sauerlacher konnten wieder die berühmten Sauerlacher Semmeln kaufen.

Gegenstände in der Abteilung „Vom Mehl zum Brot“ (aus Sauerlach, Arget und anderen Quellen)

Dezimalwaage
Mehlsiebe, Mehlschaufel
Mehlsiebmaschine
Sauerteigkübel
Teigtröge
Körbe für abgewogenen Teig
Regal auf Rollen.
Einschießer für Brot und Semmeln
Teigteilmaschine