Heimatmuseum

der Gemeinde Sauerlach in Arget

November 2011 - Wie Sauerlach unerwartet zu einem Heimatmuseum kam

Text: Reinhold Löschinger, Bild: Helmut Berthold


Als der alte Troadkasten vom Argeter Garnerhof in den 80er Jahren in die Denkmalliste des Landkreises aufgenommen wurde, ahnte niemand, dass daraus eine Erfolgsgeschichte werden sollte. Das Bauwerk zählte zu den ältesten, in ihrer Art charakteristischen Haustypen mit architektonischer Noblesse im oberbayrischen Raum.

TroatkastenTroadkasten

Bauoberrat Lothar Schätzl vom Bay. Landesamt für Denkmalpflege suchte mit Kreisheimatpfleger Fritz Lutz nach Möglichkeiten zur Rettung des historisch außerordentlich bedeutsamen Bauwerkes. Das Objekt wurde seit 1934 nicht mehr genutzt, es verfiel zusehends.

Es gibt weit und breit nichts Vergleichbares, stellte der Bausachverständige und Gemeinderat Johann Guggenberger aus Hohenkirchen fest. Seine Gemeinde wollte den Troadkasten als Heimatmuseum haben. Er schätzte für Umsetzung und Restaurierung 150.000-200.000 DM. Die Übernahme scheitert aber an der Standortfrage.

Sauerlachs amtierender Bürgermeister Josef Kalhofer stand nicht nur wegen der zu erwartenden hohen Kosten der Sache ablehnend gegenüber. Er meinte: Warum spreiz’n de si gar so ei, mir ham in Arget nur Wiesn, an Woid, a paar Parkplätz’ und obendrein is ganz Arget a Heimatmuseum.

Das Interesse der Sauerlacher Gemeinderäte für den maroden Kasten hielt sich in Grenzen. Einer meinte sogar: Do moch ma a’ Feierwehrübung d’raus! Die Zimmerei Zech, der Graswieser von Großeichenhausen bot an, das Bauwerk auf Firmenkosten herzurichten und auf dem eigenen Grundstück aufzustellen.

1987 bringt Bauoberrat Schätzl mit einem Gutachten Bewegung in die Angelegenheit. Er weist eindringlich darauf hin, dass es sich hier um einen in seiner Art besonders seltenen und wertvollen Getreidekasten handelt. Dieser historische Getreidekasten als außerordentlich bedeutendes Bau- und Geschichtsdenkmal von überregionaler Bedeutung zu betrachten ist und im Sinne der Volksbildung erhalten werden sollte.

Daraufhin wurde das Objekt noch einmal der Gemeinde Sauerlach angeboten.

Der Kreisausschuss bewilligte 80.000 DM, das Denkmalamt stellte 60.000 DM bereit, die restlichen 25.000 DM sollte die Gemeinde aufbringen und in Zukunft für Bauunterhalt und eine museale Nutzung sorgen.

Nachdem die Finanzierung gesichert war, fiel der dafür notwendige Gemeinderats-Beschluss positiv aus, es gab nur eine Gegenstimme. 

Nach einer vorbildlichen Restaurierung in historisch, handwerklichen Techniken fand der Troadkasten seinen endgültigen Standort beim alten Argeter Pfarrhof inmitten einer landwirtschaftlich intakten Umgebung. Mit der Bauleitung wurde ein Holzfachmann, Dipl. Ing. (FH-Holztechnik) Josef Sattler aus Evenhausen beauftragt.

Am Samstag, den 17. September 1988 fand bei einem Dorffest die festliche Einweihung statt. Prominenz, Ehrengäste und viel Volk waren dabei.

Ortspfarrer Pfarrer Willibald Glas spendete nach dem Festgottesdienst den Schlusssegen mit einer frischen Maß. Im Festzug ging es dann mit der Argeter Blaskapelle zum Gasthof Schmuck, wo ausgiebig gefeiert wurde. Helmut Berthold führte durchs Programm.